Konzentration unter körperlicher Belastung
Was mich überrascht hat, ist die mentale Belastung. Orientierungslauf verlangt Konzentration unter körperlicher Anstrengung, und genau das macht ihn so anspruchsvoll. Es reicht nicht, schnell zu sein. Man muss die Karte lesen können, die Symbole verstehen und sie mit der realen Umgebung in Einklang bringen, während Puls und Tempo hoch sind. Wer das gut beherrscht, kann Geschwindigkeit und Genauigkeit geschickt kombinieren, wer unaufmerksam wird, verliert schnell Zeit.
Beim offenen Training wird deutlich, wie flexibel dieser Sport ist. Die Strecken lassen sich an Erfahrung und Können anpassen, sodass auch Einsteiger gut mitkommen, ohne überfordert zu werden. Gelaufen wird in Parks, Wohngebieten, Grünanlagen und am Stadtrand, was die Routen abwechslungsreich und überraschend macht. Mal ist präzises Kartenlesen entscheidend, mal ein gutes Gefühl für Entfernungen und Richtungen. Trotz der Gruppe läuft jeder seinen eigenen Lauf, da zeitversetzt gestartet wird und niemand einfach hinterherlaufen kann.
Nach dem Training bleibt vor allem ein Gefühl hängen: Orientierungslauf ist ein kleines Abenteuer. Es geht um das Suchen und Finden, um Bewegung draußen, um das ständige Wechselspiel zwischen Tempo und Nachdenken. Für mich fühlt es sich ein bisschen an wie Geocaching, nur deutlich sportlicher, schneller und konzentrierter. Ich habe selten beim Laufen so wenig auf meine Uhr geschaut und mich stattdessen so intensiv mit meiner Umgebung beschäftigt. Genau das macht diesen Sport so besonders – und erklärt, warum man nach dem ersten Mal Lust bekommt, es wieder zu tun.
Mehr als nur Laufen mit Karte
Ich dachte zunächst, Orientierungslauf sei im Grunde Laufen mit Karte. Nach meinem ersten offenen Training beim TV Jahn Wolfsburg weiß ich: Das greift viel zu kurz. Orientierungslauf ist ein Sport, der gleichzeitig fordert und ablenkt, anstrengt und fasziniert, weil Kopf und Körper permanent zusammenarbeiten.
Kurz vor dem Start bekomme ich eine Karte in die Hand, nicht größer als ein Handzettel, aber voller Details. Wege, Grünflächen, Gebäude, Höhenlinien und Symbole, die man erst einmal einordnen muss. Vorbereiten konnte ich mich darauf nicht, denn die Karte gibt es bewusst erst unmittelbar vor dem Loslaufen. Genau das gehört zum Konzept. Schon nach wenigen Metern wird klar, dass es hier kein klassisches Geradeauslaufen gibt. Statt einer festen Strecke sind im Gelände mehrere Kontrollpunkte verteilt, die ich in einer vorgegebenen Reihenfolge finden muss. Jeder Punkt wird elektronisch bestätigt, erst dann zählt er als erreicht.
Während des Laufens treffe ich ständig Entscheidungen. Nehme ich den längeren, sicheren Weg über befestigte Straßen oder versuche ich es quer durch den Park, spare Zeit, riskiere aber, mich zu verhaspeln? Laufe ich jetzt schneller und hoffe, dass ich richtig liege, oder drossele ich das Tempo, um sicherzugehen, dass ich an der richtigen Abzweigung bin? Genau dieses Abwägen macht den Reiz aus. Ich merke schnell, dass ich kaum noch auf meine Atmung oder die Anstrengung achte, weil mein Kopf ununterbrochen mit Orientieren beschäftigt ist. Die Umgebung wird permanent mit der Karte abgeglichen, Kreuzungen gezählt, Geländemerkmale gesucht und Entfernungen abgeschätzt. Kleine Fehler passieren schneller, als man denkt, und zwingen dazu, kurz stehenzubleiben, neu zu denken und einen besseren Weg zu finden.
Wer selbst mitlaufen möchte, kann sich direkt an den TV Jahn Wolfsburg wenden. Die Teilnahme am offenen Training setzt in der Regel eine Vereinsmitgliedschaft voraus. Ein erstes Reinschnuppern ist nach vorheriger Absprache aber möglich. Aktuelle Trainingszeiten, Treffpunkte und Ansprechpartner finden sich auf der Website des Vereins unter www.tvjahn-wolfsburg.de. Alternativ ist eine Kontaktaufnahme per E-Mail über die dort angegebene Abteilungsadresse sinnvoll, da die Trainingsorte wechseln können.
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