Der Wolf auf Reisen

  • Kultur & Geschichte
Jeder kennt sie. Seit den frühen 1980er-Jahren stehen, liegen und sitzen die sechs Wölfe in der Porschestraße in Wolfsburg. Unser Wolfsrudel aus Bronze ist längst mehr als bloße Straßenkunst. Zwischen den Tischen der umliegenden Cafés zeigen ihre blankpolierten Rücken und glattgerubbelten Schnauzen Spuren jahrzehntelangen Gekuschel-Werdens und „Reitens“.
Geschaffen wurde diese naturalistische Darstellung vom Bildhauer Peter Lehmann, dessen Arbeiten wie eingefrorene Szenen aus einer freundlichen Tierwelt wirken.
Was aber kaum einer weiß!
Einer unserer Wölfe hat sich bis nach Bremen geschlichen.
In der Sögestraße in Bremen findet sich die Bronzeplastik „Schweinehirt und seine Herde“ – Schweine, Ferkel, ein Hirte und ein Hund, der erstaunlich vertraut wirkt. Fast so, als hätte sich einer unserer Wölfe auf den Weg gemacht – auf der Suche nach beruflicher Neuorientierung: vom Rudelmitglied zum Hütehund.
Während seine Brüder in Wolfsburg entspannt in der Fußgängerzone verweilen und es sich gutgehen lassen, steht er in Bremen nun mitten in einer anderen Geschichte – aufmerksam, die Schweinegruppe zusammenhaltend und dem Hirten treu ergeben.
Natürlich ist die Erklärung nüchterner: Beide Figurenwelten stammen aus derselben Hand, derselben künstlerischen Sprache und erzählt doch jede ihren eigenen Stadtraumgeschichte.

Bei so viel Liebe, die den Bronzewölfen zuteilwird, dürfte der Bremer „Wolf“ seine Scharade längst bereut haben.