42Wolfsburg

Kultur & Geschichte
Vor fünf Jahren war die Idee noch ein mutiges Experiment: eine Programmierschule ohne Lehrerinnen und Lehrer, ohne klassische Vorlesungen, ohne Studiengebühren, mitten in Wolfsburg. Heute ist die 42 Wolfsburg längst zu einem festen Bestandteil der Stadt geworden. Was 2021 in der historischen Markthalle begann, hat sich zu einem internationalen Lern- und Innovationsort entwickelt, an dem Menschen zwischen 18 und 60 Jahren gemeinsam an der digitalen Zukunft arbeiten.
Die Idee stammt ursprünglich aus Paris: Das weltweite „42“-Netzwerk gilt als eines der innovativsten Ausbildungsmodelle im Bereich Softwareentwicklung. Statt Frontalunterricht setzt die Schule auf projektbasiertes Lernen, Teamarbeit und gegenseitige Unterstützung. Wer hier lernt, bringt sich Programmieren eigenständig bei – unterstützt von der Community. Schulabschlüsse oder klassische Lebensläufe spielen bei der Aufnahme kaum eine Rolle. Entscheidend sind Motivation, Ausdauer und Problemlösungskompetenz.

Wie eine Programmierschule Wolfsburg verändert

Wolfsburg gehörte 2021 gemeinsam mit Heilbronn zu den ersten deutschen 42-Standorten. Dass ausgerechnet Wolfsburg Standort der gemeinnützigen „42“-Schule Deutschlands wurde, war kein Zufall. Die Stadt verfolgt seit Jahren das Ziel, sich stärker als Technologie- und Innovationsstandort zu positionieren. Die Markthalle am Nordkopf entwickelte sich dabei Schritt für Schritt zu einem digitalen Zentrum der Stadt. Gemeinsam mit dem CoWorking-Space Schiller40, VR-Studios und kreativen Projekträumen entstand dort ein Ort, an dem neue Ideen sichtbar werden.

Heute lernen an der 42Wolfsburg nach Angaben der Schule mehr als 450 Menschen aus unterschiedlichsten Ländern und Lebenssituationen. Viele haben zuvor etwas völlig anderes gemacht: ehemalige Handwerkerinnen, Quereinsteiger, Studienabbrecherinnen oder Berufstätige, die sich neu orientieren möchten. Gerade diese Vielfalt gehört zum Konzept. Die Schule versteht sich nicht nur als Ausbildungsstätte, sondern als Community, in der Zusammenarbeit wichtiger ist als Konkurrenzdenken.

Auch das Lernmodell hebt sich deutlich von klassischen Hochschulen ab. Der Campus ist rund um die Uhr geöffnet, gelernt wird flexibel und projektorientiert. Wer aufgenommen werden möchte, muss zunächst eine mehrwöchige „Piscine“ absolvieren – eine intensive Auswahl- und Lernphase, die Teamfähigkeit und Durchhaltevermögen testet. Erst danach beginnt das eigentliche Curriculum.

In Wolfsburg hat die Schule inzwischen weit mehr bewirkt als die Ausbildung neuer Softwareentwicklerinnen und -entwickler. Sie bringt internationales Flair in die Innenstadt, schafft Verbindungen zwischen Wirtschaft, Kreativszene und Stadtgesellschaft und macht deutlich, dass Digitalisierung nicht nur in Metropolen stattfindet. Gerade für eine Stadt im Wandel ist das ein wichtiges Signal.

Unterstützt wird die Schule unter anderem von Volkswagen, das bereits zum Start mehrere Millionen Euro in Aufbau und Betrieb investierte. Ziel war von Anfang an, dem steigenden Bedarf an IT-Fachkräften zu begegnen und zugleich neue Bildungswege zu eröffnen.

Fazit

Die 42Wolfsburg ist nicht nur eine Programmierschule geworden, sondern ein Symbol dafür, wie sich Wolfsburg neu erfindet – offen, international und digital. Während andernorts über Fachkräftemangel diskutiert wird, entstehen in der Markthalle längst die Kompetenzen von morgen.

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