Wolfsburgs Kunstsammlung

  • Kultur & Geschichte
Ich komme gerne ins Schloss Wolfsburg. Oft zieht es mich in die Ausstellungen der Städtischen Galerie – nicht nur wegen der Kunst, sondern auch wegen der besonderen Verbindung aus historischer Architektur und zeitgenössischer Präsentation. Schon der Weg dorthin gehört für mich dazu: durch den Schlossbogen, über den Hof, durch die schwere Holztür, die krummen Steintreppen hinauf und schließlich hinein in die Ausstellungsräume.

Hier oben entfaltet sich Kunst auf eine ganz eigene Weise. Die alten Böden knarzen bei jedem Schritt, die Räume sind nicht neutral, sondern erzählen ihre eigene Geschichte. Manche Werke stehen bewusst im Kontrast zur historischen Architektur, andere scheinen ganz selbstverständlich Teil dieses Ortes zu sein.

Heute führt mich mein Weg jedoch nicht in die aktuelle Ausstellung.
Ich darf einen Blick hinter eine Tür werfen, die den meisten Besucherinnen und Besuchern verschlossen bleibt: ins Depot, wo die Kunstsammlung der Stadt Wolfsburg aufbewahrt wird.
Die Kunstsammlung der Städtischen Galerie
Seit den 1950er Jahren baut die Stadt Wolfsburg systematisch eine eigene Kunstsammlung auf. Über Jahrzehnte ist so ein Bestand von mehreren Tausend Werken entstanden, mit einem klaren Schwerpunkt auf der Kunst nach 1945 im deutschsprachigen Raum. Ergänzt wird die Sammlung durch internationale Druckgrafik sowie Werke aus Fotografie, Skulptur und neuen Medien.
Die Sammlung wächst kontinuierlich weiter, durch Ankäufe, aber auch durch bedeutende Nachlässe wie die von Malte Sartorius oder Heinrich Heidersberger.

Das Kunstdepot
Ich treffe Katharina und Lena im Büro der Städtischen Galerie. Gemeinsam geht es Trepp auf, Trepp ab, bis zu einem Fahrstuhl, der uns direkt vor die Tür des Depots im Schloss bringt.
Als sich die Tür öffnet, empfängt uns zunächst Dunkelheit. Nur wenig Tageslicht dringt durch die verhüllten Fenster. Die Luft ist angenehm kühl, ein feiner Geruch nach Papier und Karton liegt in der Luft – dieser unverwechselbare Duft eines Archivs, in dem Zeit konserviert wird.

Mit einem Klick geht das Deckenlicht an. Ein langgestreckter Raum wird sichtbar. Reihen riesiger Flachabladenschränke ziehen sich durch das Depot. Schublade an Schublade, jede sorgfältig beschriftet: hier ruhen Grafiken, Zeichnungen und andere empfindliche Arbeiten. Eine geöffnete Schublade gibt den Blick auf großformatige Mappen frei und lässt erahnen, wie viel Kunst hier verborgen liegt.

Ein paar Schritte weiter stehen Gemälde dicht an dicht in verschiebbaren Gitterregalen. Manche sind in Schutzfolie gehüllt, andere zeigen nur ihre Rückseiten oder ragen mit ihren Rahmen zwischen den Metallgittern hervor. Auf den Regalen stapeln sich Archivkartons, Mappen und sorgfältig verpackte Werke unterschiedlichster Formate. Alles hat seinen festen Platz. Jedes Objekt wartet geduldig auf seinen nächsten Einsatz.

Ausstellungen
Eine klassische Dauerausstellung gibt es im Schloss nicht. Stattdessen wechseln die Präsentationen regelmäßig. Mal stehen einzelne Künstlerinnen und Künstler im Mittelpunkt, mal Themen oder Epochen. Auch Leihgaben anderer Museen oder privater Sammlungen werden häufig durch Werke aus dem eigenen Bestand ergänzt.
So begegnen Besucherinnen und Besucher der Sammlung immer wieder, allerdings nie in derselben Konstellation. Bekannte Werke treten in neue Zusammenhänge, gehen neue Dialoge ein und entfalten dadurch immer wieder eine andere Wirkung.
Fazit

Hier geht es nicht um Inszenierung, sondern um Bewahrung. Kein Werk konkurriert um Aufmerksamkeit. Zwischen Schränken, Regalen und verschiebbaren Gitterwänden wird deutlich, was eine Ausstellung nur erahnen lässt: die eigentliche Größe der Sammlung.