Von Welsen, wenig Sicht und viel Vertrauen
"Hier lernt man richtig zu tauchen", erzählt Peter Lorenz, der seit vier Jahrzehnten Mitglied im Verein ist. Wo die Sicht begrenzt ist, rückt automatisch der Tauchpartner in den Mittelpunkt. Man bleibt dichter zusammen, achtet auf Handzeichen und Bewegungen und entwickelt Vertrauen. Das sogenannte Buddy-System wird hier nicht nur erklärt, es wird ganz selbstverständlich gelebt.
Der Allersee
Der künstlich angelegte See bietet dafür ideale Voraussetzungen. Mit rund 29 Hektar Wasserfläche und einer maximalen Tiefe von etwa elf Metern ist er überschaubar und sicher. Gleichzeitig bietet er genügend Abwechslung für Ausbildung und erfahrene Taucher.
Luftblasen durchbrechen die Wasseroberfläche, wenig später tauchen die beiden wieder auf.
Auf ihren Fotos, die sie mir später zeigen, sind ältere Fundstücke zu sehen - wie ein weißer Kunststoffgartenstuhl oder Glasflaschen, die bewusst wieder am Grund platziert wurden. So lässt sich beobachten, wie sich mit der Zeit Pflanzen und Algen über die Gegenstände legen und sie immer stärker in die Unterwasserlandschaft einbinden. Auch ein Dummy sorgt eher für einen augenzwinkernden Akzent als für einen ernsten Zweck.
Und dann sind da natürlich die Bewohner des Allersees. Hechte stehen regungslos zwischen den Pflanzen, Karpfen ziehen gemächlich vorbei, und im Grundbereich sollen sich gelegentlich auch Aale zeigen. Immer wieder erzählen die Taucher außerdem von einem stattlichen Wels, der ihnen bei ihren Tauchgängen begegnet.
Doch der Allersee ist nicht nur Tauchrevier, sondern auch Trainingsort und Treffpunkt des Tauchclubs Wolfsburg.
Tauchclub Wolfsburg
Der Tauchclub Wolfsburg bringt seit vielen Jahren Menschen für den Tauchsport zusammen. Regelmäßig beginnen neue Mitglieder mit einem Schnuppertauchen – zunächst im VW-Bad oder im Freibad Fallersleben. Dort lernen sie die Ausrüstung kennen und sammeln ihre ersten Erfahrungen unter Wasser, bevor es später zur Freiwasserausbildung an den Allersee geht.
Besonders freuen sie sich über die Unterwasserplattform des Vereins. Sie liegt etwa fünf Meter tief und rund 67 Meter vom Ufer entfernt. Hier üben Taucher kontrolliert den Umgang mit ihrem Auftrieb, trainieren Notfallsituationen oder absolvieren Prüfungseinheiten. Weil dabei kein Schlamm vom Seegrund aufgewirbelt wird, bleiben die Sichtverhältnisse deutlich stabiler, ein Vorteil für Mensch und Natur gleichermaßen.
Mittwochabends trifft man sich am Clubheim in der Hoffmannstraße. Flaschen werden gefüllt, Ausrüstung geprüft und die neuesten Geschichten erzählt. Von Nachttauchgängen. Von Ausflügen nach Hemmoor. Vom traditionellen Nikolaus- oder Silvestertauchen. Schnell wird deutlich: Hier geht es nicht nur um Sport. Gemeinschaft ist genauso wichtig wie Technik.
Auch wenn ich trocken geblieben bin, habe ich an diesem Nachmittag eine Vorstellung bekommen, was sich in der Welt unter der Wasseroberfläche des Allersees abspielt.
Danke an Peter und Kulle, dass sie mich in ihre Welt eintauchen lassen haben.











