Gin-Manufaktur
Was den Raum aber besonders macht, sind die vielen Details. Die Lampen wurden über einen längeren Zeitraum hinweg sorgfältig zusammengetragen: Einige stammen aus alten Lagerbeständen aus Russland und Polen, andere wurden im industriellen Stil eigens angefertigt. Auch die Schränke und Regale hatten bereits ein früheres Leben, wurden aufgearbeitet und passend in Szene gesetzt. In den Vitrinen liegen Gewürze und Botanicals, die später im Gin wieder auftauchen. Zusammen ergibt das eine Atmosphäre, die überraschend gemütlich und einladend wirkt – eher wie ein stilvoller Treffpunkt als wie eine Produktionsstätte.
Selbst bei den Früchten endet der regionale Gedanke nicht an der Tür: Ein Teil des Obstes, das Yven für verschiedene Gin-Sorten verwendet, stammt aus seinem eigenen Garten und aus dem Garten seiner Großmutter.
Destillation
Im Kern ist Gin ein Destillat auf Basis von Neutralalkohol, das durch die Zugabe verschiedener Botanicals – das sind Pflanzen, Gewürze, Kräuter und Früchte – seinen Charakter erhält. Die entscheidende Zutat ist dabei immer die Wacholderbeere, die dem Gin seinen Namen und seinen unverwechselbaren Grundton verleiht. Was darüber hinaus in den Kessel kommt, ist die eigentliche Kunst.
Bei Giniti beginnt diese Kunst bereits vor dem ersten Destillationsschritt. Verwendet wird ausschließlich Wasser aus der 70 Meter tief in der Region liegenden Rotheburg-Quelle. Es ist besonders weich, wie mir erklärt wurde – und das schmeckt man.
Die Botanicals, die dem Destillat seinen Charakter verleihen, sind durchweg biozertifiziert. Neben Wacholder sind das unter anderem Koriander, Kardamom, Iriswurzel, Süßholzwurzel, Ingwer und Zitrusfrüchte. Am meisten hat mich dabei überrascht, dass die Zitrusfrüchte von Hand geschält werden. Jede einzelne. Das mag nach einer kleinen Randnotiz klingen, sagt aber viel darüber aus, wie hier gearbeitet wird.
Und das zieht sich konsequent durch bis zur letzten Station. Auch die Etiketten auf den Flaschen werden im Haus von Hand angefertigt. Wer das sieht, versteht, warum die Chargen klein sind. Anders wäre dieser Anspruch schlicht nicht durchzuhalten.
Gin Tasting
Um zu verstehen, was einen guten Gin ausmacht, empfiehlt sich das Gin-Tasting. Anmeldungen sind auf der Website giniti.de/gin-tasting möglich.
Bei einer geführten Verkostung werden mehrere Destillate nacheinander probiert und man lernt dabei, was man eigentlich im Glas hat. Welche Aromen kommen zuerst? Was bleibt im Abgang? Wie verändert sich der Geschmack, wenn man den Gin pur trinkt, mit einem Spritzer Wasser oder mit Tonic? Diese Fragen klingen einfach, eröffnen aber eine ganz neue Perspektive auf das Produkt.
Gerade bei Gin gibt es dabei viele interessante Geschichten zu erzählen. Warum wird Quellwasser aus 70 Metern Tiefe verwendet? Welche Wirkung hat die Iriswurzel im Destillat und warum ist die Süßholzwurzel mehr als nur ein Süßungsmittel? Wer das einmal verstanden hat, trinkt Gin danach anders: bewusster und mit einem Gespür dafür, was in diesem Fall Handwerk bedeutet.
Zur Manufaktur gehört außerdem ein etwa 60 Quadratmeter großer Veranstaltungsraum. Er kann für private Feiern genutzt werden, aber auch ganz unkompliziert für ein Treffen mit Freundinnen und Freunden am Nachmittag oder Abend – eben ein Ort der Begegnung.
Für wen ist das interessant?
Die offensichtliche Antwort wäre: für Gin-Fans. Aber das greift zu kurz.
Wer sich allgemein für Handwerk und Lebensmittelproduktion interessiert, wer wissen möchte, wie aus Rohstoffen und einer Idee ein Produkt entsteht oder wer einfach einen außergewöhnlichen Abend in Wolfsburg sucht, der über das übliche Restaurantprogramm hinausgeht, ist hier richtig.
Ich habe an diesem Vormittag keinen Gin trinken gelernt. Das war auch nicht das Ziel. Aber ich habe verstanden, warum Menschen dafür brennen. Und ich habe gesehen, was es bedeutet, wenn jemand nicht beim erstbesten Kompromiss aufhört, weder beim Wasser noch bei den Zutaten oder beim Etikett. Ein Besuch der Manufaktur in Nordsteimke lohnt sich auf jeden Fall.













