Geopfad am Klieversberg
Aussichtspunkt auf dem Klieversberg
Nach dem letzten Anstieg erreiche ich den Klieversberg. Mit seinen 110 Metern ist er die höchste Erhebung der Wolfsburger Kernstadt. Von hier oben wird schnell klar, warum dieser Ort seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Aussichtspunkten der Stadt gehört. Vor mir breitet sich die Stadt aus und dahinter zieht sich das weite Allertal bis zum Horizont.
Am Mahnmal lege ich eine kurze Pause ein und genieße die Aussicht. Heute bildet der Klieversberg einen beeindruckenden Kontrast zwischen Erdgeschichte und moderner Stadtlandschaft. Wer den Blick schweifen lässt, erkennt unter anderem das Volkswagen-Werk, die markanten Schornsteine des Kraftwerks und weite Teile der Wolfsburger Innenstadt.
Für mich zählt dieser Aussichtspunkt zu den Höhepunkten des Geopfads, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Das liegt nicht nur an der geologischen Bedeutung des Berges, sondern auch am einzigartigen Panorama, das sich hier eröffnet.
Die Sandsteinklippen des Hohenstein
Von hier aus geht es weiter zur siebten Station, dem Hohenstein. Die markanten Sandsteinklippen zählen sicherlich zu den spannendsten geologischen Aufschlüssen des gesamten Geopfads.
Die Felsen ragen überraschend aus dem Waldboden heraus. Ihre Schichten zeugen von den sich während der Jurazeit abwechselnden Meeres- und Küstenlandschaften. Bei genauerer Betrachtung sind unterschiedliche Strukturen und Verwitterungsformen im Gestein erkennbar.
Nach gut zwei Stunden schließt sich schließlich der Kreis und ich erreiche wieder das Scharoun Theater.
Ein ehemaliger Steinbruch als Tiergehege
Wenig später erreiche ich das Tiergehege. Ein Eichhörnchen kreuzt meinen Weg und verschwindet genauso schnell wieder zwischen den Bäumen. Was auf den ersten Blick wie ein gewöhnliches Ausflugsziel wirkt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als geologische Besonderheit. Das Gehege befindet sich in einem ehemaligen Steinbruch.
Hier wurden einst die Gesteinsschichten aus der Jurazeit freigelegt. An den Felswänden lassen sich unterschiedliche Gesteine erkennen, die vor Millionen von Jahren entstanden sind.
Bei genauerer Betrachtung lassen sich in den Kalksteinen sogar fossile Überreste ehemaliger Meeresbewohner entdecken. Muscheln, Schnecken und Ammoniten erinnern daran, dass an dieser Stelle einst kein Wald, sondern ein Meer war. Zwar finde ich kein Fossil, aber allein die Möglichkeit, hier auf Spuren urzeitlichen Lebens zu stoßen, macht den Ort für mich besonders spannend.
Bevor es weitergeht, lege ich eine kleine Pause am Steinbruchsee im Tiergehege ein.
Schurfe in die Erdgeschichte
Hinter dem Tiergehege verlasse ich den Waldabschnitt und gelange zu den angelegten Schurfen am Hochring. Sie ermöglichen einen direkten Einblick in die Erdgeschichte.
Die freigelegten Schichten zeigen eindrucksvoll die unterschiedlichen Ablagerungen aus der Jurazeit. Kalksteine wechseln sich mit Ton- und Mergelschichten ab. Anschauliche Tafeln erklären, wie sich über Millionen Jahre hinweg verschiedene Lebensräume und Umweltbedingungen im Jurameer verändert haben.
Start ist am Scharoun Theater
Mein Rundgang beginnt am Parkplatz des Scharoun Theaters. Schon bevor ich den ersten Schritt auf den eigentlichen Geopfad setze, fällt mir links neben dem Theater eine große Informationstafel auf. Hier erfahre ich, dass mich eine Zeitreise durch rund 200 Millionen Jahre Erdgeschichte erwartet. Der Rundweg führt über den Klieversberg und vorbei an zahlreichen geologischen Aufschlüssen, die von einer Zeit erzählen, als die Region noch von einem flachen Jurameer bedeckt war.
Ein Blick auf die Karte zeigt mir die zehn Stationen des Geopfads. Ich bin gespannt, was mich erwartet.
Durch den Kalk-Buchenwald
Vom Theater aus führt der Weg direkt nach rechts in den lichten Buchenwald am Klieversberg. Schon nach wenigen Schritten entdecke ich den ersten der mit Ammoniten gekennzeichneten Findlinge, die die Geopunkte markieren und als Wegweiser durch die Erdgeschichte dienen. Schon nach wenigen Schritten lasse ich die Stadt hinter mir und tauche in eine überraschend ruhige Waldlandschaft ein. Die hohen, kräftig gewachsenen Buchen prägen das Bild des Waldes und spenden angenehmen Schatten.
Noch immer liegt ein leichter Bärlauchduft in der Luft, obwohl die Blütezeit längst vorüber ist und die Pflanzen am Wegesrand bereits zu welken beginnen. Man kann sich gut vorstellen, wie intensiv der Geruch hier noch vor wenigen Wochen gewesen sein muss. Auffällig sind auch die zahlreichen großen Weinbergschnecken, die an den Stämmen der Buchen schlafen. Besonders beeindruckt bin ich von einer Schnecke, die bis zu einem Blatt gekrochen sein muss, um auf der Blattunterseite auszuruhen.
Während ich gemütlich durch den Wald gehe, weisen immer wieder Infotafeln auf die geologischen Besonderheiten des Klieversbergs hin. Es ist kaum vorstellbar, dass sich unter meinen Füßen Gesteinsschichten befinden, die einst am Grund eines tropischen Meeres entstanden sind.
Dabei wird deutlich, dass die Geologie hier nicht nur in den Felsen sichtbar ist. Der kalkhaltige Untergrund beeinflusst bis heute die Vegetation. Die nährstoffreichen Böden, die aus den Gesteinen der Jurazeit entstanden sind, bieten vielen Pflanzen ideale Wachstumsbedingungen.
Unbedingt die Karte des Geopfads dabeihaben! Gerade zu Beginn gibt es einige Weggabelungen, an denen ich mir eine deutlichere Kennzeichnung gewünscht hätte.
Der Geopfad am Klieversberg ist weit mehr als ein gewöhnlicher Wanderweg. Er verbindet Naturerlebnis, Stadtgeschichte und Geologie auf einzigartige Weise. Besonders beeindruckend ist, wie hier mitten in Wolfsburg die Erdgeschichte sichtbar wird. Fossilien, ehemalige Steinbrüche, freigelegte Gesteinsschichten und spektakuläre Aussichtspunkte machen den Rundweg zu einer spannenden Entdeckungsreise für Familien, Naturfreunde und alle, die ihre Heimat einmal aus einer völlig neuen Perspektive kennenlernen möchten.
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