Das Scharoun Theater Wolfsburg

  • Kultur & Geschichte
Ein Juwel moderner Architektur!  Hinter den Kulissen – heute einmal anders: Wenn wir an ein Theater denken, dann denken wir normalerweise an die Bühne, die Schauspielerinnen und Schauspieler und natürlich an die Kulissen, die eine Geschichte zum Leben erwecken. Heute werfen wir jedoch keinen Blick hinter die Bühnenkulissen, sondern betrachten das Theater selbst genauer. Denn auch das Gebäude des Scharoun Theaters Wolfsburg hat eine Geschichte zu erzählen – über Architektur, seine Entstehung und die Ideen des Architekten Hans Scharoun.
Das am Hang des Klieversbergs gelegene Theater fügt sich fast selbstverständlich in die Landschaft ein und entfaltet seine Wirkung erst nach und nach.
Das Theater wurde 1973 eröffnet und zählt zu den bedeutendsten Kulturbauten der deutschen Nachkriegszeit. Entworfen wurde es von Hans Scharoun (1893–1972), der zu den prägendsten Architekten des 20. Jahrhunderts zählt. Internationale Bekanntheit erlangte Scharoun vor allem mit der Berliner Philharmonie, deren Raumkonzept damals als revolutionär galt. Auch in Wolfsburg setzte sich Scharoun in einem internationalen Wettbewerb gegen namhafte Konkurrenz durch.

Sein Ansatz war dabei alles andere als konventionell: Architektur sollte nicht starr und monumental sein, sondern sich aus der Nutzung heraus entwickeln. Genau dieses Prinzip lässt sich am Scharoun Theater besonders gut nachvollziehen. Statt klarer Symmetrien bestimmen hier fließende Formen das Bild.
Im Inneren des Theaters 
Besonders deutlich wird Scharouns Idee im Inneren. Das weitläufige, rund 80 Meter lange Foyer öffnet sich mit großen Fensterflächen zum umliegenden Park. Dadurch entsteht eine Verbindung zwischen Innen- und Außenraum, die für ein Theater dieser Größe eher ungewöhnlich ist.

Auch der Große Saal folgt keinem klassischen Muster. Sein trapezförmiger Grundriss, die mit Eschenholz verkleideten Wände und die besondere Anordnung der Plätze schaffen eine Nähe zwischen Publikum und Bühne, die Scharoun besonders wichtig war. Je nach Nutzung bietet der Saal 777 Plätze im Musiktheater oder 833 Plätze im Schauspiel, hinzu kommen jeweils 120 Stehplätze.
Und auch akustisch steckt viel Planung in diesem Raum. Die Architektur ist nicht einfach eine Hülle für das Theatergeschehen – sie ist Teil davon.

Dass dieses Gebäude heute noch so erlebbar ist, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Planung und Umsetzung des Theaters zogen sich über mehrere Jahre hin. Hans Scharoun selbst erlebte die Eröffnung im Jahr 1973 nicht mehr. Seit 2017 trägt das Haus offiziell seinen Namen und erinnert damit an den Architekten, dessen Idee bis heute das Erscheinungsbild prägt.

Eine umfassende Sanierung in den 2010er Jahren brachte das denkmalgeschützte Gebäude technisch auf den neuesten Stand. Dabei wurde gleichzeitig darauf geachtet, die besonderen räumlichen Qualitäten des ursprünglichen Entwurfs zu erhalten und wieder stärker sichtbar zu machen.

Architektur entdecken
Heute ist das Scharoun Theater natürlich vor allem ein Ort für Schauspiel, Musiktheater, Tanz und Gastspiele. Aber es lohnt sich auch, einmal mit einem anderen Blick darauf zu schauen. Wer durch das Foyer geht, in den Großen Saal kommt oder die Verbindung zum Park wahrnimmt, entdeckt ein Stück Wolfsburger Architekturgeschichte.
Und wer jetzt Lust bekommen hat, noch mehr davon zu entdecken, muss gar nicht weit laufen. Rund um das Scharoun Theater finden sich weitere architektonisch bedeutende Gebäude internationaler Architekten – darunter das Alvar-Aalto-Kulturhaus und das phaeno von Zaha Hadid.

Unsere Empfehlung

Scharoun Theater Wolfsburg
  • Theater