Das AutoMuseum Volkswagen: Raritäten und Zeitzeugen auf vier Rädern
Von außen wirkt das ehemalige Fabrikgebäude nahezu unscheinbar. Nur der Schriftzug „Volkswagen. Das Museum.“ lässt erahnen, dass sich unter dem Flachdach etwas Besonderes verbirgt. Ist das nur was für Mobilitäts-Enthusiasten oder kann das AutoMuseum auch mich als nicht autointeressierte Person überzeugen?
Holz-Käfer, Herbie und der See-Golf
In der rund 5.000 m² großen Produktionshalle der ehemaligen Bekleidungsfirma findet sich heute eine beeindruckende Sammlung unterschiedlichster Volkswagen-Modelle. Wo früher die Näherinnen saßen, begrüßen mich direkt am Anfang die VW-Klassiker Käfer, Bulli und Golf. Diese Modelle kenne selbst ich. Doch das ist nur der sanfte Einstieg in eine facettenreiche Reise durch die Entwicklung des Volkswagens - von frühen Käfer-Varianten über den kultigen VW Bulli bis hin zu einzigartigen Prototypen und besonderen Konzeptfahrzeugen. Auch einige Kuriositäten und echte Raritäten sind dabei – darunter frühe Studien und ungewöhnliche Designs, die nie auf den Markt kamen und sonst nirgends zu sehen sind. Dazu gehört beispielsweise der See-Golf – ein Golf-Prototyp, der als Amphibienfahrzeug sowohl zu Land als auch zu Wasser unterwegs sein sollte. Echte Hingucker sind auch ein Käfer mit Holzkarosserie oder der legendäre VW Herbie aus der Kultfilmreihe der 1960er und 70er Jahre. Hier steht der Wagen Nummer 6 von insgesamt ca. 70 Exemplaren, die für die Dreharbeiten genutzt wurden. Auch besondere Motorsport-Umbauten, spezielle Außen- oder Innenausstattungen und seltene Varianten, z. B. experimentelle GTI- oder Rallye-Modelle, sind Teil der Sammlung.
Und langsam erwischt die Begeisterung auch mich. Ich schlendere entspannt durch die verschiedenen Jahrzehnte der Modellentwicklung und komme nicht drum herum, über all die einzigartigen Exponate zu staunen. Mein kleines, persönliches Highlight? Der Hulk-Touran aus dem Film „The Fast and the Furious: Tokyo Drift“.
Nahbar und authentisch
Nahbar und authentisch sind hier die großen Schlagwörter. Anders als in anderen Museen, in denen man die Exponate nur aus der Distanz betrachten kann, darf man im AutoMuseum ganz nah ran. Anfassen ist natürlich trotzdem nicht erlaubt! Doch so kann man ganz genau hinschauen – nicht nur von außen, sondern auch ins Innere. Dabei entdecke ich einige interessante Details. Beispielsweise ziert das Lenkrad einiger Modelle das traditionelle Stadtwappen mit der Silhouette eines Wolfs auf einer Burg. Was diese Wagen erlebt haben, zeigt sich besonders bei den Rally-Modellen. Risse in der Frontscheibe und Dellen in der Karosserie erzählen von einem bewegten Leben. An manchen Autos finden sich sogar noch ein paar Matschspritzer.
Spezielle Modelle - beispielsweise für das Militär oder zum Transport von Kaffeebohnen - spiegeln das Leben der Menschen wider.
Wie alles anfing
Bereits 1954 begann VW unter Generaldirektor Heinrich Nordhoff, Exponate des Unternehmens zu sammeln und frühe Fahrzeuge von ihren Besitzern zurückzukaufen. Diese technisch-historische Sammlung wurde 1967 auf dem Werksgelände in Wolfsburg ausgestellt, war jedoch nicht öffentlich zugänglich.
1985 wurde dann das AutoMuseum gegründet. Nordhoffs Sammlung wurde zur Grundlage für das Museum, ergänzt durch weitere historische Fahrzeuge, Prototypen und Konzernmodelle. Im Gebäude einer ehemaligen Bekleidungsfabrik fand man neben VW-Wagen auch Modelle anderer Marken des Konzerns.
Die enge Verbindung zu Nordhoff zeigt sich bis heute in der Ausstellung. So ist beispielsweise der Käfer seiner Frau Teil der Sammlung und am Schreibtisch aus Nordhoffs Büro kann man im Gästebuch des Museums unterschreiben.
Seit 2001 konzentriert sich das AutoMuseum ganz und gar auf die zahlreichen Exemplare der VW-Kernmarke – anders als das Zeithaus in der Autostadt, das auch Modelle anderer Marken des VW-Kosmos zeigt.
Das Motoren-Kabinett
Hinter einer unscheinbaren, roten Tür verbirgt sich dann noch etwas ganz Besonderes. Von der großen Ausstellungshalle aus trete ich in einen kleineren Raum. Zunächst fällt mein Blick auf zahlreiche im Raum verteilte Motoren und dann auf eine Wand, die in kompletter Breite und Höhe mit Automodellen in unterschiedlichen Farben bedeckt ist.
Seit 2017 zeigt das Motoren-Kabinett anhand von rund 50 Motoren- und Getriebe-Exponaten die Entwicklung der Volkswagen-Aggregate. Die Sammlung reicht von frühen Motoren bis zu modernen Konzept- und Prototyp-Aggregaten, die nie in Serie gingen. Darunter sind luftgekühlte Boxermotoren, frühe Diesel-Varianten, wassergekühlte Reihen-, V- und VR-Motoren sowie besondere Konstruktionen wie der TDI mit zwölf Zylindern und als VR6.
Die Ausstellung basiert maßgeblich auf den Erinnerungen und Aufzeichnungen früherer VW-Mitarbeiter aus Forschung und Entwicklung, da für viele Exponate schriftliche Dokumentationen fehlen.
Selbst mich als bekennend nicht technikinteressierte Person faszinieren die filigranen Konstruktionen und verschiedenen Ausführungen der Exponate. Hier lerne ich noch richtig etwas.
Ein besonderer Schatz sind auch die bereits erwähnten Automodelle an der Rückwand des Raumes. Diese dienten früher bei VW dazu, die verschiedenen Lackfarben vorzuführen und auszuwählen. Als diese Stücke Zeitgeschichte dann vor einigen Jahren entsorgt werden sollten, fuhr einer der Mitarbeiter des Museums kurzerhand zu Volkswagen und holte die Modelle ab, um sie für die Nachwelt zu bewahren.
Das Motoren-Kabinett kann nur nach vorheriger Terminvereinbarung im Rahmen einer Führung besichtigt werden (info@automuseum-volkswagen.de).
Die Menschen hinter den Autos
Das AutoMuseum lebt von der Begeisterung der Menschen – von der Leidenschaft der Mitarbeitenden, die interessante Anekdoten zu den Exponaten erzählen können, und von der Auto-Liebe des Freundeskreises AutoMuseum.
Dass hier alles rund läuft, ist zu großen Teilen den Ehrenamtlichen des Freundeskreises zu verdanken. Die Automobil-Enthusiasten arbeiten mit viel Sachverstand und Hingabe an der Instandhaltung und Pflege der Fahrzeuge. Viele von ihnen waren oder sind bei Volkswagen beschäftigt und bringen nicht nur technisches Know-how, sondern auch persönliche Geschichten mit. Vor allem aber ist der Freundeskreis ein Ort, an dem Leidenschaft für das Automobil gelebt wird: gemeinsames Schrauben, Fachsimpeln und der Wunsch, automobile Geschichte für kommende Generationen zu bewahren.
Für Erklärungen und Insiderwissen lohnt sich der kostenlose Audioguide des AutoMuseums oder eine Gruppenführung.
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