Bockwindmühle in Kästorf
Es klappert die Mühle …
Der Name „Müller“ gehört bis heute zu den häufigsten Nachnamen in Deutschland – und verweist direkt auf die Geschichte eines traditionsreichen Handwerks. Er zählt zu den sogenannten Berufs- oder Tätigkeitsnamen, die im Mittelalter entstanden, als sich feste Familiennamen entwickelten. Damals wurden Menschen häufig nach ihrer Tätigkeit benannt, insbesondere wenn diese für das Leben in der Gemeinschaft von zentraler Bedeutung war.
Der Name selbst geht auf das althochdeutsche mulinari beziehungsweise das mittelhochdeutsche mülnære zurück und bezeichnete ursprünglich jemanden, der eine Mühle betrieb oder in ihr arbeitete.
Über viele Jahrhunderte hinweg waren Mühlen unverzichtbare Bestandteile des Alltags – so auch im heutigen Wolfsburger Stadtteil Kästorf. Hier wurde Getreide gemahlen, hier traf man sich, hier entschied sich oft die Versorgung einer ganzen Region. Gleichzeitig war das Leben eines Müllers nicht immer einfach: Die Arbeit war körperlich fordernd, oft von langen Arbeitszeiten geprägt und fand meist etwas abseits der Dorfgemeinschaft statt.
Heute hat sich das Bild grundlegend gewandelt. Historische Mühlen gelten als kulturelle Zeugnisse und beliebte Ausflugsziele. Ein besonderes Beispiel ist die Bockwindmühle Kästorf – ein technisches Denkmal, das eindrucksvoll zeigt, wie Windkraft schon lange vor der Industrialisierung genutzt wurde.
Ein Denkmal mit bewegter Geschichte
Die sogenannte Schrader’sche Bockwindmühle wurde im 19. Jahrhundert an ihren heutigen Standort umgesetzt – der Überlieferung nach aus der Region um Schöppenstedt. Ihre Bauweise ist typisch für diesen Mühlentyp: Das gesamte Mühlengehäuse lässt sich auf einem zentralen Ständer in den Wind drehen, sodass die Flügel stets optimal ausgerichtet werden können.
Die Mühle ist ein vollständig aus Holz errichtetes Bauwerk von beachtlicher Größe. Auch wenn sie heute nicht mehr regulär in Betrieb ist, vermittelt ihre erhaltene Technik einen anschaulichen Eindruck davon, wie Windenergie früher genutzt wurde.
Als letzter Müller in Kästorf gilt Gustav Schrader, der die Mühle bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts betrieb. Mit der Übernahme durch die Stadt Wolfsburg begann schließlich ihre Sicherung als historisches Denkmal.
Lernen, wie Windkraft funktioniert
Heute betreut das Stadtmuseum Wolfsburg die Mühle und macht ihre Geschichte anschaulich erlebbar. Die Funktionsweise der Windkraft wird dabei verständlich erklärt und oft auch praktisch demonstriert – etwa mit kleinen Handmühlen, die das Prinzip im Kleinen nachvollziehbar machen.
Gerade im Kontext aktueller Diskussionen rund um erneuerbare Energien gewinnt die historische Technik neue Bedeutung: Windmühlen zeigen eindrucksvoll, wie nachhaltig Energie schon vor Jahrhunderten genutzt wurde.
Die Mühle ist zudem fest in der Identität des Stadtteils verankert – stilisierte Mühlenflügel finden sich bis heute im Wappen von Kästorf wieder.




